Meinung und Test zu Technik, Fotografie und Hifi

Hier gibt es demnächst kurze Testberichte zu Verstärkern, Kameras und Objektiven, Lautsprecher... und alles was  sonst so unsere Augen und Ohren begeistert. 

Kleinanzeigen - Irrtümer, Fallstricke, Tipps!

Auf keiner mir bekannten Verkaufsplattform kann man so tolle Schnäppchen machen wie auf Kleinanzeigen. ABER: Alles hat natürlich seinen Preis! Folgend verrate ich Euch, was man beim Kauf und Verkauf beachten sollte. Die üblichen Betrugsmaschen werde ich dabei nur anreißen. Vielmehr geht es um falsche Hoffnungen, Annahmen beim Verkauf und das richtige verpacken von Technikartikeln. Also eine kleine Auswahl von Themen, die mir über die Jahre immer einmal wieder untergekommen sind. 

Für Käufer

1. Will haben Effekt

Besonders uns Fototechnikverrückte und Audiophile überfällt dieses Gefühl häufig: DAS hebt mein Hörerlebnis oder meine Fotos auf ein neues Level. Ob da was Wahres dran ist, das lehrt uns nur die Zeit und unsere Frauen oder Männer, die uns gelegentlich zur Vernunft rufen müssen. Sei's drum. Meine Empfehlung: Wartet mit dem "Impulskauf" wenigstens einen Tag und schaut Euch dann die Sache nochmal an. Meist legt sich, zumindest bei mir, der Willhaben-Impuls nach 24 Stunden erheblich. Was dann noch immer im Einkaufswagen landet muss nicht zwingend sinnvoll sein, wird aber mit geringerer Wahrscheinlichkeit aus einer Laune heraus gekauft - das spart Geld und Aufwand (Kauf - Verkauf). 

2. Kleinanzeigenbetrüger

Was soll ich da noch viel schreiben? Es gibt genügend Lektüre zu den Maschen der Abzocker im Netz und speziell auf Kleinanzeigen. Ich meine hier auch nicht diejenigen die eine Macke am Gerät nicht beschreiben, sondern die echten Betrüger, Kriminelle die die Artikel nach Zahlung garnicht erst verschicken. Neu für mich, und dazu ein paar Zeilen, ist die Qualität mit der auf Kleinanzeigen betrogen wird. Ich bin als Händler viel auf Kleinanzeigen unterwegs. Mein gewerblicher Account ist zwar noch recht jung, aber privat kaufe ich schon mehr als 10 Jahre über die Plattform. Um es vorweg zu nehmen: Ich wurde noch NIE komplett über den Tisch gezogen. Aber es wird immer schwieriger, vor Allem mit steigender Kauffrequenz. Vor Kurzem war ich an einer schönen Kamera dran (eines dieser Betrüger-Lieblingsartikel) und hatte einen sehr netten und ausführlichen Kontakt mit einem scheinbar etwas unbedarften Herren. Das ist für einen Betrüger schonmal ungewöhnlich. Als es um die Bezahlerei ging, schlug er Paypal für Freunde und Überweisung vor. Meine Bitte mit Paypal für Waren und Dienstleistungen zahlen zu können lehnte er lang und breit mit schlechten Erfahrungen aus der Vergangenheit ab. Das ist auch nicht unrealistisch, denn es passiert immer mal wieder, dass Leute den Käuferschutz unverschämt und unbegründet zu ihren Gunsten ausnutzen. Deshalb bieten auch einige seriöse Privatverkäufer diese Bezahlart nicht mehr an. Jedenfalls machte der nette Herr einen geradezu traurigen Eindruck nicht endlich an einen seriösen Käufer seine Kamera verkaufen zu können. Auf Grund der sehr persönlichen Unterhaltung hätte ich fast nachgegeben - fast. Am folgenden Tag kam die Warnung von Kleinanzeigen vor dem Kontakt zum Verkäufer - ein Betrüger. 
Auch neu: Der Beweis mit dem selbstgeschriebenen Zettel neben dem Artikel. Dank KI ist es heute auch doofen Betrügern möglich solche Belege zu liefern. Unlängst hatte ich so einen Fall. Ich schrieb: "Senden Sie mir bitte ein aktuelles Produktfoto zu und legen neben den Artikel einen handgeschriebenen Zettel mit meinem Namen". Das soll eigentlich sicherstellen, dass derjenige den angebotenen Artikel auch tatsächlich besitzt.  Das Foto erhielt ich schnell. Leider fehlte es der KI etwas an Phantasie: Das Produktfoto entsprach genau einem Foto in der Anzeige. Auf dem Zettel (der nicht zur Bildqualität passte) stand mein Name in eigenartigen Druckbuchstaben. Ich dankte freundlich und brach ab. 
Auch die Frage nach der persönlichen Abholung wird von Kriminellen heute nicht per se ignoriert oder abgelehnt. Diese vermeintlich sicherste Variante etwas zu kaufen, wird aktuell von Betrügern mitunter zugesichert. Nur leider dauert es dann eben bis ein Treffen möglich wäre oder Termine werden verschoben, sicherlich mit der Hoffnung, dass der Käufer dann vielleicht doch in den Versand einwilligt (--> siehe "will haben"). 
Kurzum: Betrüger geben sich immer mehr Mühe um unsere Wünsche auszunutzen; Seid auf der Hut!

3. Der Dachbodenfund

Auch ich gebe zu: Ich schaue zu häufig und zu sehr nach dem günstigsten Preis, weniger nach Garantien und genauen Beschreibungen. Vielen geht es so. Wenn der Traumverstärker bei Verkäufer A eben 250,-€ kostet und bei Verkäufer B 290,-€ dann gucken wir uns doch meistens erstmal das 250,-€ Angebot an. Außer vielleicht, es steht verdreckt und schlecht fotografiert in einer Garage. Aber auch schmuddelige Garagenfunde lassen sich mit etwas Aufwand so aufbereiten und präsentieren, dass man schnell den Eindruck erhält, es handele sich um einen Artikel in gutem Zustand. Dazu noch eine vage Funktionsbeschreibung und ein günstiger Preis und fertig ist das Überraschungspaket. Und ja, richtig günstige Schnäppchen in gutem Zustand sind möglich - aber selten.  Wer ein Schnäppchen von Privat kauft, hat aus meiner Sicht eine 50/50 Chance einen vollständig funktionierenden Artikel zu erhalten der zudem der Beschreibung entspricht - das betrifft vor Allem ältere Technik. Manchmal ist es schon cleverer ein paar Euro draufzulegen und sich die 12 Monate Gewährleistung beim Händler zu sichern . 😉

4. Paypalbezahlung

Nur Paypal für Waren und Dienstleistungen!  

Nur Paypal für Waren und Dienstleistungen!  

Nur Paypal für Waren und Dienstleistungen!  

Nur Paypal für Waren und Dienstleistungen!  

Nur Paypal für Waren und Dienstleistungen! 
Punkt!


Für (private) Verkäufer


1. Das schnelle Geld

Den nächsten Part, für Verkäufer, schreibe ich nicht ganz ohne Eigennutz (und natürlich eigene Erfahrung). Oft schon hatte ich es mit Verkäufern zu tun, die wohl meinen das Geld fällt vom Baum. Es ist für einige Menschen leider recht verlockendend aus einem Erbstück oder Kellerfund noch ein paar Taler mehr rauspressen zu können als es eigentlich recht wäre. Irgendwo ist das auch verständlich. Für den Käufer aber leider ärgerlich. Meine große Bitte an alle Verkäufer: Beschreibt Eure Artikel vollständig! Lasst nichts weg, fügt nichts hinzu, nur damit das Gerät in der Anzeige noch ein paar Euro mehr abwirft. Ich kann als erfahrener und sachkundiger Käufer natürlich nicht von jedem Laien erwarten, dass er von jedem technischen Detail Ahnung hat. Manchmal muss ich es eben auch schlucken wenn irgendwo was nicht zu 100% geht wie es gehen soll - Geschäftsrisiko halt. Aber bei manchen Käufen hatte ich schon das Gefühl, dass die Gier über die Ehrlichkeit gesiegt hat. In diesem Zusammenhang meine nächste Bitte: Wenn ein Verkäufer schreibt, dass das Gerät einwandfrei funktioniert - dann sollte es auch EINWANDFREI funktionieren. Und wenn ich keine Ahnung von der Technik habe und das garnicht richtig einschätzen kann - dann lasse ich es besser weg und gehe mit dem Preis lieber 10 - 20% runter. Das erspart allen Beteiligten viel Ärger und schlechte Laune. Das führt mich auch schon zum nächsten Punkt: 

2. Privatverkauf und Haftung

Es gibt ja viele unterschiedliche Verkäufertypen auf Kleinanzeigen und die Meisten sind echt vernünftige und manche sogar richtig korrekte Leute, soviel vorweg. Trotzdem sollte man sich manchmal zu helfen wissen bzw. vor dem Verkauf auch mal informieren, welche Rechte ein Käufer hat. Oft steht unter den Anzeigen ein Text zum Haftungsausschluss (keine Gewährleistung, keine Rücknahme, keine Garantie usw.). Das ist rechtlich, bei richtiger Formulierung, auch erstmal völlig i.O. Allerdings sehen manche Anbieter wohl darin eine Art Freifahrtsschein, dem Käufer jeden erdenklichen Schrott andrehen zu dürfen und diesen noch mit blumigen Worten zu bewerben. Kauft der Kunde nun per Paypal für Waren und Dienstleistungen, ist er vor dem Schlimmsten erstmal sicher. Kommt da halb kaputtes Zeug an, das als "funktioniert einwandfrei" beschrieben wurde, hat man doch recht gute Chancen sein Geld zurück zu erhalten. Paypal entscheidet hier oft im Sinne des Käufers. Da nützt auch der vorher beschriebene Haftungsausschluss nicht viel. Denn, "Artikel nicht wie beschrieben" ist ein starkes Argument seine Rechte durchzusetzen zu können. Und selbst bei Überweisung oder Zahlung per Freundefunktion, ist man als Verkäufer nicht automatisch aus dem Schneider. Es gibt dann immernoch zivilrechtliche Ansprüche die der Käufer zur Not geltend machen Kann ( § 444, 123 BGB → arglistige Täuschung). Sogar eine Anzeige bei der Polizei ist möglich (Betrug). Meine Tipps zusammengefasst um sich solchen Ärger zu ersparen:
- Eine ehrliche Beschreibung des Artikels mit vorsichichtiger Formulierung zu Zustand und Funktion und man ist meist auf der sicheren Seite
- Habe ich nicht wirklich Ahnung von einem Gerät oder garnicht die Voraussetzungen etwas richtig zu testen, sollte man das erwähnen und auf den einen oder anderen Euro verzichten
- den Haftungsausschluss nicht vergessen und eine gesetzeskonforme Formulierung aus dem Netz verwenden
Nun nutzen leider auch listige Käufer diese rechtlichen Feinheiten aus um ihrem Gegenüber im Nachgang noch etwas abzupressen (Rückforderung, Falleröffnung bei Paypal). Hier ist es ratsam den korrekten Zustand des Geräts vor dem Versand per Foto oder Video zu dokumentieren. Zusammen mit einer eher defensiven/ zurückhaltenden Artikelbeschreibung, hat man gute Chancen, auch in einem Käuferschutzverfahren, sauber aus der Sache rauszukommen.  
Kurz: Ehrlich währt am längsten!

3. Gut verpackt - Die halbe Miete

Der Punkt ist eigentlich die Fortsetzung des vorherigen. Manchmal befinden sich private Verkäufer in dem Irrtum, das mit der Abgabe des Paketes die Sache für sie erledigt ist. Auch ich musste das schon erleben, dass ein 15Kg Verstärker in einem einwelligen Karton, ruhend auf etwas Blisterfolie mit Hermes auf die Reise geschickt wurde. Zum Ergebnis muss ich wahrscheinlich nichts sagen. Man ist/ wir sind als Verkäufer in der PFLICHT die Sachen ordentlich zu verpacken. Komme ich dem als Anbieter nicht nach, kann ich auch hierfür im Nachhinein haftbar gemacht weren. Weder der Versanddienstleister noch Paypal werden Euch Recht zusprechen oder Schaden ersetzen, wenn ihr so verfahrt wie im vorherigen Beispiel. Kommt das Gerät auf Grund mangelnder Verpackung kaputt beim Käufer an, ist das ein Rückforderungsgrund! Bei kleineren Artikeln ist der Versand meist unproblematisch. Bei schweren Sachen wie Lautsprechern oder Verstärkern muss man schon gewissenhaft zu Werke gehen: Doppelwelliger Karton, eine ausreichend dicke Styroporpolsterung, ein effektiver Kantenschutz, Folie gegen Stöße und Feuchtigkeit, kein verrutschen im Karton, am Besten: Karton im Karton - das alles sind Dinge die gemacht werden müssen um einen Transportschaden gegenüber dem Versanddienstleister geltend machen zu können. Sollte trotz gewissenhafter Verpackung etwas passieren, helfe ich als Verkäufer natürlich bei der Schadensanzeige - auch als Privatverkäufer. Denn nur der kann den Schaden richtigerweise gegenüber dem Versandunternehmen anzeigen und geltend machen. Ratsam ist deshalb natürlich immer eine Originalverpackung. Das ist wohl DIE Versicherung schlechthin. Ein Versand ohne diese, sollte daher gut überlegt und vorbereitet sein. Im Zweifelsfall schließt man den Versand eben aus und der Verkauf dauert etwas länger (nur Abholung). Das ist allemal besser als ein Totalschaden. 
Besonders schwierig zu verpackende Artikel sind aus meiner Sicht: Plattenspieler (ohne Expertise fast unmöglich), Vintageverstärker (da durch ihr Alter schon vorbelastet), Verstärker mit Gewichten über 12kg (die ganze Masse muss man erstmal in den Griff bekommen) und Lautsprecher jeder Art. Also packt die Sachen so ein, dass ihr das Paket selbst aus Kniehöhe fallen lassen könntet ohne einen Herzinfarkt dabei zu erleiden. Dann klappt es auch mit dem Versand! 😉

Viel Spaß beim Kaufen und Verkaufen!

Vintage Verstärker - ist das Kunst? Oder kann das weg?

Ein kurzer Näherungsversuch an das Thema. 


In der Hifi Szene gibt es die unterschiedlichsten Themen die die Community spalten: Kabelklang, Verstärkerklang, DSP, Netzfilter und und und... 
Und so sind auch die Vintageverstäker in den Fokus gerückt. In den vergangenen Jahren ist ein beachtlicher Hype und Markt um Verstäker aus den 70er und 80er Jahren entstanden. Im Fokus stehen dabei Receiver und Verstärker der alten großen Hersteller, wie Yamaha, Technics, Sansui oder auch NAD und Marantz. In jeder Preisklasse kann man auf den einschlägigen Portalen wie Kleinanzeigen oder auch Ebay und Etsy die alten Schätzchen finden. Von ungeprüft ohne Netzkabel bis recapped und generalüberholt ist alles dabei. Und so gestalten sich dann auch die Preise. Manches davon ist auch eher hanebüchen als irgendwie vernünftig - aber das spielt bei Vintageverstärkern, soviel vorweg, sowieso nicht die erste Geige. Kleines Beispiel: Ein wirklich schönes Vintage Exemplar ist der Pioneer sa 7800. Den habe ich mit normaler Funktion und einigermaßen gutem optischen Zustand für 600,-€ gefunden. Nicht eben ein Schnäppchen, aber auch nicht völlig irrwitzig. Das Gerät kann sich nicht nur sehen, sondern aus eigener Erfahrung auch uneingeschränkt hören lassen. Designtechnisch bietet heute sowieso keine Marke einen derart durchdachten und gleichzeitig aufregenden Look wie z.B. der Pioneer - in dieser Preisklasse  (bis auf ganz einige wenige Ausnahmen). 

Den gleichen Verstärker habe ich aber auch schon (überholt) für rund 1500,-€ entdeckt. Und spätestens ab hier wird es dann schon problematisch. Zur Erinnerung: Vor ca 50(!) Jahren ist das Gerät für um die 1100,-DM über den Ladentisch gegangen. Da hört für mich der Vintagespaß auf.
Aber lohnen denn selbst 600,- oder 800,-€ für so ein Gerät?
Zu den Fakten.

Contra:
Technische Geräte und auch Verstärker und Receiver unterliegen einen technischen Verschleiß. Und zwar alle! Man muss sehen, dass es große Unterschiede gibt was den Reparturaufwand und die Möglichkeiten betrifft solche Geräte instand zu setzen. Während sich ein alter Technics SU 3500 noch relativ unproblematisch wieder fit machen lässt, sieht das bei anderen Modellen wieder ganz anders aus. Da ist nicht alles Gold was glänzt. Und wenn man eben keine Ahnung davon hat, ist es fast unmöglich einzuschätzen auf was man sich da einlässt. Hier ein paar wenige Beispiele, die zumindest preislich und klanglich hoch gehandelt werden, technisch aber schnell zum Pflegefall werden könnten, weil sie kaum oder schwer reparierbar sind.

Onkyo M-504 - IC Grab und VU Meter Klebeproblem
Sansui 9900Z Receiver - ultrakomplexes technisches Design und kaum reparierbar
Geräte von Carver Audio
Yamaha Receiver der CR-X40-Serie - nicht nur, dass diese Serie nicht mehr ganz so edel aussieht wie die Vorgänger (CR 420, 620, 820, 1020 etc), es waren auch die ersten Modelle dieser Zeit bei denen langsam an den Komponenten gespart wurde.  Eine typische Entwicklung ab den frühen 80er Jahren... 

Dass Vintageverstärker so aufwändig konstruiert sind ist allerdings nicht unbedingt die Regel. Meist sind es bei den Mittelklasse Geräten Bauteile wie Regler, Elkos, Relais und Transistoren die Probleme machen - sich aber relativ leicht gegen moderne Teile tauschen lassen. Ein  Elektrolyt-Kondensator z.B. hat eine ungefähre Lebensdauer von etwa 15 - 20 Jahren. Danach ist mit Abweichungen zu rechnen (nicht unbedingt mit einem Totalausfall).  Viele Vintagebesitzer loben dann den warmen Klang ihres geliebten Receivers. Leider muss man sagen, dass derartige Klangeindrücke sich häufig auf fehlerhafte Bauteile (u.A. Elkos) zurückführen lassen, die ganz einfach nur das Signal leicht verzerren. 
 

Doch ja, manchmal spielen auch unreparierte Geräte aus den 70ern noch wie am 1. Tag. Aber das ist schon ein gewisses Glücksspiel wenn man so einen Verstärker kauft, in den noch nie irgendjemand hineingeschaut hat - außer der Staub. Da kommt es dann auch stark auf Faktoren wie die Nutzungshäufigkkeit und die vorangegangene Lagerung des Geräts an.
Aber nehmen wir an, dass wir ein Exemplar erwischt haben, dass technisch einwandfrei ist. Klingt es dann noch irgendwie besser, nach den alten Zeiten also, als der moderne Kram?
Nunja, Moment , da sind wir dann im Bereich der Meinung! Nicht der Fakten. Ich bin der Meinung - es kann, je nach Modell, klanglich ein Fortschritt sein. Gerade im Vergleich zu modernen Einsteigergeräten. Messbar sind solche Verbesserungen freilich kaum. Aber unser Gehör ist nunmal auch kein Messinstrument. Hier kommt die Psychoakustik ins Spiel. Ich möchte in das Thema garnicht weiter einsteigen, jedenfalls kann die positive Wahrnehmung von Klang allein durch das Zappeln formschöner VU-Meter wesentlich gesteigert werden. Das wissen die Verkäufer exklusiver Designerstücke natürlich und die von Vintagegeräten natürlich auch.  😁
Doch zurück zu den Fakten: Technisch gesehen sind die alten Leistungsverstärker in verschiedener Hinsich natürlich unterlegen:

- Verzerrungswerte, Dämpfungsfaktor, Wirkungsgrad, Watt-Zahl, Art und Umfang der Quellenwiedergabe (digital + analog), interne Raumkorrekturprogramme, DAB Radio usw. Alles nicht vorhanden.

Die Zeit ist in der Hifi Branche nicht stehen geblieben - auch wenn uns das an andere Stelle manchmal so vorkommen mag. Bei den Klassikern sind für den Nutzer doch meist nur noch AUX und Phono von Belang. Alles andere muss vorher gewandelt und analog eingespeist werden (optisch, koax oder auch HDMI).

Pro:
Aber doch, es gibt sie, die ünvernünftigen Gründe sich einen alten Pioneer SX-950 ins Wohnzimmer zu stellen - die Schallplatte aufzulegen, das Licht zu dimmen und bei einem guten Glas den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen - Psychoakustik eben. Und da sind wir beim "Pro" auch schon fast durch. Denn technisch spricht eigentlich nur wenig für die alten Schätzchen. Aber alles, wirklich alles an einem Vintagegerät von Sansui, Luxmann, Marantz oder Pioneer fühlt sich irgendwie besser an. Drehen Sie doch mal an dem Lautstärkeregler eines alten Technicsverstärkers und dann an dem eines modernen Yamaha 501.  Es ist eine Offenbahrung. Haptisch und optisch sind die Klassiker oft von einem anderen Stern oder zumindest fühlbar aus einer anderen Zeit. Hier wurde noch aus den Vollen gefräst und Plastik war ein Fremdwort. Eine Wohltat!
Klanglich, sofern technisch i.O., haben auch die Alten einiges zu bieten. Ich hatte es weiter oben schon angekündigt. Denn grundlegend, ist die technische leistung, ein Eingangssignal aufzunehmen, zu verstärken und unverzerrt an ein paar Lautsprecher weiterzugeben wirklich kein Hightech und lange ausentwickelt.  Man kann also von einem 70er Jahre Mittelklasseverstärker durchaus eine solide Performance erwarten, auch wenn man qualitativ hochwertige Quellen wiedergeben möchte (SACD, Flac, MQA etc). Mit einen entsprechendem Streamer bzw. DAC in der Kette, ist das technisch auch überhaupt kein Problem. Und ja, tatsächlich, kann auch ein schwächelnder Elko mal für das letzte Quentchen Schmelz in der Stimme von Tom Waits sorgen - auch wenn das dann nicht mehr ganz unter die Kategorie Hifi fällt.

Was nicht unerwähnt bleiben sollte, ist das Thema Nachhaltigkeit. Wenn alte Verstärker repariert und weiterverwendet werden, dann ist das meist deutlich umweltfreundlicher als sich günstige Massenware bei Amazon zu bestellen. Und bis auf wenige Ausnahmen, sind viele alte Modelle doch gut reparierbar. Was man von modernen Geräten leider nicht behaupten kann. Werkstätten die sowas machen findet man - noch jedenfalls - in fast jeder größeren Stadt. Und wer geschickt mit Lötkolben und Multimeter umgehen kann und einige Grundlagen der Elektrotechnik beherrscht, ist sowieso ganz vorne mit dabei. Dann lässt sich auch für geübte Laien einiges selbst bewerkstelligen (auf eigene Gefahr natürlich).

Worauf kommt es letztlich an?
Na klar: Auf einen vernünftigen Preis und den Zustand des Gerätes und, dass man Spaß daran hat. Neben allem Ernst mit der in der Hifi Welt über Klang und Funktion geschrieben und gequasselt wird, ist das ganze Thema doch einzig der gepflegten Unterhaltung untergeordnet. Geräte mit Legendenstatus und Sammleraufschlag halte ich dennoch für das Unvernünftigste auf dem mittlerweile überladenen Markt. Da spreche ich lieber von Abzocke als von Unterhaltung. Gegen ein gut gewartetes, gereinigtes und getestetes Gerät vom Fachmann, für einen normalen Preis, ist doch aber aus meiner Sicht nichts einzuwänden - im Gegenteil!

Hier eine Kleine Liste mit Geräten, die als recht zuverlässig, langlebig und gut reparierbar gelten:

Marantz 2270; 1090 (und weitere)
NAD 3020; NAD C 375; C355; C352 (Integrierter Verstärker)
Sansui AU-717 (Integrierter Verstärker, 1977)
Kenwood KR-9600 (Receiver, späte 1970er)
Toshiba SA-7100 (Receiver, späte 1970er) 
Darüber hinaus viele Geräte aus den 70ern von Pioneer und Technics. 

Vorsicht ist geboten beim Kauf von Privat. Günstige Kellerfünde, aus Haushaltsauflösungen, ungeprüfte Technik, vermeindliche Schnäppchen. Vieles klingt verlockend, entpuppt sich am Ende aber als Schrott. Ein Händler ist verpflichtet euch 12 Monate Gewährleistung einzuräumen. Da ist man einigermaßen auf der sicheren Seite und dem Vintage-Spaß steht nichts im Wege.  

Klar hat man mit einem modernen Gerät einen technologischen Vorsprung und auch manchmal ein etwas sorgenfreieres Restleben. Aber nur allein aus diesen Gründen kaufen doch die wenigsten Hifi-Liebhaber ihre Technik. Oder?